BASF und Monsanto – eine unheilige Allianz

Seit dem 21. März 2007 kooperieren BASF und der Saatgut-Konzern Monsanto bei der „Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Genpflanzen“. Konkret heißt das: die BASF hat sich vertraglich verpflichtet im großen Maße neue, gentechnische Nutzpflanzen zu entwickeln, die anschließend und ausschließlich von Monsanto vertrieben werden sollen.

Monsanto vertreibt bereits heute 90% aller im Handel befindlichen Genpflanzen, sowie die dazu gehörigen Dünge- und Spritzmittel. Alternative Anbieter von Saatgut gibt es kaum mehr, da Monsanto in den letzten Jahren nahezu jeden Konkurrenten aufgekauft hat. Und wer sein Saatgut von Monsanto bezieht, muss auch gleichzeitig Dünger- und Spritzmittel von dort beziehen, will er die Ernteergebnisse erzielen, die Monsanto verspricht.

Noch übler als diese teure und in manchen Ländern alternativlose Rundumversorgung durch Monsanto ist allerdings die Patentpraxis der Firma. Monsanto lässt sich jede ihrer selbst oder von einem ihrer Kooperationspartner entwickelte Pflanze patentieren, was bedeutet, dass Monsanto von jedem Bauern Lizenzgebühren verlangen kann, der absichtlich oder auch unbeabsichtigt Pflanzen anbaut, die Bestandteile dieser patentierten Pflanze enthalten. Da sich die meisten Genpflanzen wie „normale“ Pflanzen über Samenflug verbreiten, ist es so auch in der näheren Umgebung von genmanipulierten Anbauflächen kaum mehr möglich gen- und lizenzfreie Pflanzen anzubauen, was nicht nur für Bio-Bauern existenzbedrohend ist, sondern auch langfristig und zunehmend teuer für alle Bauern werden wird.

Die Patentrechte von Monsanto gehen so weit, dass nicht nur die Pflanzen, die Bestandteile der patentierten Pflanzen enthalten, Monsanto gehören, sondern auch alles Saatgut, das von diesen Pflanzen geerntet wird. Dies hat vor allem für die Bauern in Afrika, Asien oder Südamerika fatale Folgen: sie können nicht mehr wie bisher einmal Saatgut kaufen und in den folgenden Jahren jeweils einen Teil ihrer Ernte als Saatgut verwenden, sondern müssen jetzt auch auf dieses von ihnen selbst produzierte Saatgut Lizenzgebühren an Monsanto bezahlen, wobei sie diese Lizenzgebühren fast genau so viel kosten wie ein kompletter Neukauf von Saatgut. Und selbst wenn es ihnen gelingt neues gen- und lizenzfreies Saatgut zu erwerben, auf den Flächen, auf denen einmal Genpflanzen angepflanzt wurden, werden immer wieder aus Samen der genmanipulierten Pflanzen neue Genpflanzen aufgehen, sich mit den genfreien mischen und neuen genmanipulierten Samen produzieren. Auf diese Weise sichert sich Monsanto quasi unumkehrbar Lizenzgebühren auf unbegrenzte Zeit. Zynischerweise behauptet die Firma mit ihren Genpflanzen den weltweiten Hunger zu bekämpfen. Das Gegenteil dürfte der Fall sein!

Beispiel Argentinien:

Als die Gen-Soja „Roundup Ready“ von Monsanto Ende der 90iger Jahre auf den Markt kam, schien es, als sei die Lösung für alle wirtschaftlichen Probleme des Landes gefunden. So war Argentinien im Jahre 1997 eines der ersten Länder, die den Anbau von Gen-Pflanzen erlaubten. Der Handel blühte, das Geld floss und bis 2002 war fast die Hälfte des argentinischen anbaufähigen Landes – 11,6 Millionen Hektar – mit Gen-Soja bepflanzt. Die Sojaproduktion eskalierte und noch heute werden Urwälder für Soja-Monokulturen abgeholzt. Für 3 Tonnen Soja verliert das Land einen Hektar Wald. Soja-Barone bezahlen die örtliche Polizei dafür, dass sie die dort lebenden Menschen gewaltsam vertreibt. 90% der Ernte – 20 Millionen Tonnen – wird als Tierfutter nach Europa und Asien exportiert. In Argentinien hat Monsanto das Saatgut erst zu normalen Preisen abgegeben. Nachdem nun fast alle Landwirte auf Gentechnik setzen – auf 90% der Felder wachsen Gen-Pflanzen – verlangt der Konzern Lizenzgebühren für die Ernte. Selbst Argentiniens Regierung spricht von Gangstermethoden. (aus dem Report von Greenpeace Deutschland, April 2005)

Die BASF hat sich – nach eigenen Angaben – für Monsanto als Geschäftspartner entschieden, weil die US-Firma eine „erfolgreiche Vermarktung“ sicher stelle und so möglichst alle Landwirte in den Genuss kommen können die wegweisenden Innovationen der BASF zu nutzen. Wer weiß, was Monsanto unter erfolgreicher Vermarktung versteht, kann ahnen wie dieser Genuss insbesondere für die Bauern in Afrika, Asien und Südamerika aussehen wird.

Der Kooperationsvertrag garantiert der BASF 40% des von Monsanto bei der Vermarktung der von BASF entwickelten genmanipulierten Pflanzen erwirtschafteten Gewinns. „Für 2025 rechnet man weltweit mit einem Markt von rund 50 Milliarden US-Dollar. Natürlich erwarten wir, dass wir einen ganz signifikanten Anteil daran haben werden, äußerte BASF-Sprecherin Susanne Benner in einem Interview in n-tv am 2. August 2007.

Ingrid Schellhammer, Mutterstadt, August 2007

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  1. Walter

    Wobei Monsanto und erst recht die BASF ja nicht wirklich erfolgreich sind.
    Gerade jetzt wurde der Genmais MON 810 von Frau Ministerin Aigner verboten und die BASF-Wunderkartoffel kommt auch nicht auf den Markt.
    Wenn die in Limburgerhof weiter nur Kosten produzieren, sind sie bald weg vom Fenster.

  2. Ingrid

    Frau Ministerin Aigner hat MON 810 für diese Anbausaison verboten, was heißt, dass die Sache noch lange nicht vom Tisch ist. Schön wär’s wenn du Recht hättest, allein mir fehlt der Glaube. So schnell werden BASF und Monsanto nicht aufgeben. Jedenfalls sollten wir die Sache im Auge behalten und in unserer Aufklärungsarbeit nicht nachlassen – denke ich.

  3. Walter

    „Wachsamkeit“ ist das eine, aber wenn ich mit Leuten diskutiere, dann sagen die mir:
    „Wir sind ja auch dagegen, aber was können wir machen ?“
    Denen muss man Mut machen.
    Und Aigners Entscheidung macht da Mut, auch wenn sie nur dem Europawahlkampf geschuldet ist.

    Und was die BASF angeht:
    Wie Du weisst lebt ein solches Unternhemen nicht von Drauflegen.
    Die Gentechnik hat aber bisher nur gekostet und nichts gebracht.

  4. Ingrid

    Der Erfolg ist bereits in Gefahr: Am Dienstag klagte der Gentechnik-Konzern
    Monsanto beim Verwaltungsgericht Braunschweig gegen das Verbot. Per Eilentscheid
    will er die Aussaat des Gen-Mais in diesem Frühjahr doch noch erzwingen.

    Darum weiter Obacht und hier gegen die Klage Monsantos protestieren:
    http://www.campact.de/gentec/sn5/signer

  5. theo

    Wie die taz, die ja bekannter maßen viel Erfahrung mit Kartoffeln , hauptsächlich polnischen hat, gestern meldete, will Landwirstschaftsmenisterin Aigner nunmehr auch den Anbau der besonders hier bei uns sehr beliebten Genkartoffel Amflora überprüfen. Nun weiss man nicht was dabei herauskommt. Aber sollte estatsächlich zu einem Anbauverbot kommen, dürften wir es daran merken, dass dann die Rheinpfalz aus diesem Grund mit Trauerflor erscheint!

  6. Ingrid

    Rheinpfalz erscheint ohne Trauerflor

    In ihrer gestrigen Ausgabe meldete die Rheinpfalz:

    Aigner erlaubt Anbau von Amflora
    Ludwigshafener Chemiekonzern BASF erfüllt bei Gentechnik- Kartoffel zusätzliche Auflagen

    Berlin (rtr/oli). Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat einen Freilandversuch mit der umstrittenen BASF-Gentechnik- Kartoffel Amflora genehmigt. Nach genauer Prüfung aller Informationen und nach Gesprächen mit Wissenschaft und Wirtschaft habe sie der Freisetzung von Amflora zugestimmt, sagte Aigner gestern. „Von dieser Freisetzung geht keine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt aus“, begründete sie ihre Entscheidung.

    Die Gentechnik- Kartoffel hat eine andere Stärkezusammensetzung als herkömmliche Kartoffeln und kann zur Stärkegewinnung für die Papier-, Garn- und Klebstoffindustrie eingesetzt werden. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF, der die gentechnisch veränderte Stärke kartoffel entwickelt hat, habe sich zu zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen für den Versuchsanbau von Amflora verpflichtet, teilte das Landwirtschaftsministerium weiter mit.

    So wolle der Konzern gewährleisten, dass die Kartoffel nicht in den Lebens- und Futtermittelkreislauf und nicht in die Umwelt außerhalb des Feldes gelange. Außerdem soll die Kartoffel nicht wie ursprünglich geplant auf 40 Hektar, sondern lediglich auf 20 Hektar angepflanzt werden. Zudem sollen die Versuche nur an einem Standort in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden. Um das Versuchsgelände werde ein Schutzzaun errichtet. „Vor diesem Hintergrund gibt es keinen Grund, die beantragte Freisetzungsgenehmigung, auf die der Antragsteller einen Rechtsanspruch hat, zu versagen“, sagte die Ministerin.

    Der Chemiekonzern BASF wies gestern in Ludwigshafen darauf hin, der Ministerin freiwillig zusätzliche Einschränkungen des Versuchsanbaus angeboten zu haben. Diese seien weder auf Grund gesetzlicher Vorschriften noch wissenschaftlicher Erkenntnisse notwendig. Das zuständige BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski sagte, die freiwilligen Maßnahmen seien ein Beitrag dazu, die derzeit stark emotional geführte Diskussion zur grünen Gentechnik zu entspannen und in sachliche Bahnen zu lenken.

    Aigners Parteifreund, der bayerische Umweltminister Markus Söder, hatte kürzlich sogar einen grundsätzlichen Stopp für den Versuchsanbau genveränderter Pflanzen gefordert. Auch CSU-Chef Horst Seehofer ist im Ringen um Stimmen der bayerischen Wähler kritisch zur grünen Gentechnik eingestellt.

    Vor zwei Wochen hatte Aigner die Aussaat des Genmais Mon 810 des US-Saatgutkonzerns Monsanto verboten. Sie hatte dies mit neueren Studien begründet, die auf Gefahren für Pflanzen und Tiere hinwiesen. Monsanto hat eine Klage gegen die Entscheidung eingereicht.

    Damit hatte die Ministerin in der Union eine heftige Debatte über die Zukunft der grünen Gentechnik ausgelöst. Vor allem Bundesforschungsministerin Annette Schavan macht Front gegen das Verbot. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor wenigen Tagen vor zu starken Vorbehalten gegen die grüne Gentechnik gewarnt. Zudem hatte die CDU-Vorsitzende auf die finanziellen Folgen für die BASF verwiesen, wenn die beantragten Freilandversuche abgelehnt würden.

    Die BASF wartet trotz des genehmigten Versuchsanbaus weiterhin bereits seit über zwölf Jahren auf eine EU-weite Zulassung von Amflora für den kommerziellen Anbau. Die BASF hat die EU deswegen verklagt und ihr Untätigkeit vorgeworfen. Die von der EU-Kommission bis Ende März 2009 eingeforderte, inzwischen dritte wissenschaftliche Begutachtung von Amflora durch die EU-Zulassungsbehörde EFSA steht aus unbekannten Gründen noch immer aus.

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